Fotografieren kann jeder …

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Auch wenn jeder gute Fotograf – nachdem er den Titel gelesen hat – den Kopf schütteln wird, ist es dennoch so, dass heutzutage überall und jederzeit ein Foto gemacht werden kann. Eine Kamera ist in jedem Handy integriert und dieses ist immer und überall mit dabei, maximal im Wasser gibt es noch ausnahmen.

Ein allseits bekannter Spruch ist weiters „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ und wenn man so in die Runde fragt, wie viele Bilder im letzten Urlaub gemacht wurden, dann bekommt man meistens eine Zahl jenseits der hunderter Marke zu hören.

Auch die Sensoren der Kameras werden immer besser und so entstehen im „Automatik“ Modus einer DSLR (digitale Spiegelreflexkamera) ohne viel Wissen bereits technisch gute Fotos.

Doch was macht nun grob gesagt den Unterschied aus?

Fangen wir mit einem schönes Zitat von der deutschen Fotografin Gisèle Freund (1908 – 2000) an: „Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera.“  Ein Bild oder alleine nur die Idee eines Bildes entsteht zuerst im Kopf des Fotografen.  Der Fotograf überlegt sich also im ersten Schritt wie er sein Motiv am wirkungsvollsten in Szene setzen könnte, er nimmt sich dafür Zeit, lässt sich auf das Motiv ein und spielt damit, bevor er den Auslöser betätigt. Dies kann ein Fotograf auch nicht von heute auf morgen, er muss dies immer wieder im Alltag üben.  Bis er die Welt immer mehr und mehr durch den Sucher der Kamera betrachtet, auch wenn diese nicht mit dabei ist. Man überlegt beim Warten an der Ampel oder auf den Bus, wo man ein gefundenes Motiv gut in Szene setzen könnte.

Ein sehr bekanntest Zitat des deutsch-australischen Fotografen Helmut Newton (1920 – 2004)  lautet: „Die ersten 10.000 Aufnahmen sind die schlechtesten.“

Auch wenn unter den ersten 10.000 bereits annehmbare Bilder dabei sind, findet man doch immer wieder etwas, was man verbessern kann. Man muss stehts seinen eigenen fotografischen Blick schulen, den oftmals entscheiden nur kleine Nuancen. Ein bisschen weiter nach Rechts oder Links könnte die Empfindung zu einem Bild verändern.

Irgendwie bringt uns das zu dem Punkt, wo man sagen kann, Fotografen machen Fotos die überlegt sind. Wo man nicht den Auslöser der Kamera zum qualmen bringt und dauerknippst sondern wo viel Kreativität, Ideen und auch Vorlieben in das Bild mit-einfließen. Und daraus entstehen nun die „guten Fotos“?

Wenn ich die letzten Monate von mir reflektiere, merke ich, dass sich meine Herangehensweise, wie ich ein Foto mache, stark geändert hat.  Früher hatte ich mein Motiv und ich habe meine Höhe und Position nur verändert, wenn etwas im Weg war oder ich zufällig auf einen super Spot aufmerksam wurde.  Auch das Motiv musste etwas spezielles haben, sonst wäre ich nicht auf die Idee gekommen es zu Fotografieren.
Nach den doch intensiven letzten 2 Monaten, merke ich, wie sich mein Blick auf die Umgebung verändert hat. Auch im altbekannten Umfeld halte ich nach „neuem“ Ausschau, was eventuell schon immer da war, aber bisher keine Beachtung bekam. Nicht konkret um ein Foto zu machen, sondern um meinen Blick für die Umgebung zu schulen. So entdecke ich meine Umwelt neu und ich merke, wie ich dadurch automatisch beim Fotografieren viel mehr Möglichkeiten entdecke, um ein Foto kreativer zu machen. Bei einem Modul des Online Workshop von Christian Anderl dem sogenannten Shootcamp  machte er darauf aufmerksam, das man – um gute Fotos zu machen – seine Komfortzone verlassen muss. Damit ist nicht gemeint, dass man sich irgendwo in Gefahr bringen soll, sondern man soll sein Motiv aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Sich auf den Boden legen, sich hinhocken, sich irgendwo rauf stellen oder was auch sonst noch so möglich ist. Wenn man dies beherzigt, steigt die Kreativität und das Bild bekommt seine eigene persönliche Note.

Hinter der Bank, statt auf der Bank

Nachdem ich nun ein paar mal „gute Fotos“ erwähnt habe, fragt sich der ein oder andere bestimmt, was nun ein „gutes Foto“ ausmacht. Über diese Frage könnte man vermutlich unendlich Diskutieren und man wäre am Ende nicht viel schlauer als vorher. Ein „gute Fotos“ liegt ja bekanntlich immer im Auge des Betrachters und muss bei jenem ein Gefühl auslösen, eine Erinnerung an erlebtes unabhängig davon ob dies positiv oder negativ war.

Der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908 – 2004) hatte auf diese Frage eine treffende Antwort: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“

Worin sich viele einig sind, ist die Aussage, dass die Qualität einer Fotografie nicht allein vom gewählten Motiv abhängt, sondern von der gestalterischen und handwerklichen Qualität des Fotografen. Es kommt sehr stark auf den Fotografen an, Dinge zu beobachten, aufzuspüren und dem jeweiligen Betrachter der Fotografie sichtbar zu machen.  Dies ist für den privaten Bereich um ein vielfaches weniger wichtig, da hier andere Faktoren ausschlaggebend sind. So achtet man als Fotograf zum Beispiel im privaten Bereich darauf, dass das Motiv wirkungsvoll in Szene gesetzt ist (keine störenden Hintergründe, korrekter Horizont, …)

Alles in allem ist die eigene Kreativität und viel Übung gefragt, damit gute Fotos entstehen und für die eigene Verbesserung ist es wichtig sich ehrliches Feedback von mehren Leuten einzuholen und dann damit zu arbeiten.

Man könnte schnell mal das Handtuch werfen, doch damit dies nicht passiert, sollte man sich folgende Punkte vor Augen halten:

  • Sei Geduldig mit dir selbst
  • Lobe dich für Verbesserungen, für Geschafftes
  • Genieße das Fotografieren
  • Habe Spass daran

Sankt Roman - Teppich

 

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