Liebe Frau, hinter LiebeZurBibel,

Einerseits danke für die Analyse der Predigt von Joseph Prince, ich denke jeder hat seine Fehler, aber dein Video Post zeigte mir mal wieder, wie wichtig es ist, genau hinzuhören und im Wort zu prüfen.

Mir geht es nun aber nicht um die Person, sondern ich wollte dir gerne meinen Gedanken zum Wort „unwürdig“ mitteilen. – Prüfe Sie im Wort für dich – und falls du etwas anderes bekommst oder gegenteiliges denkst, würde es mich sehr interessieren.

Du erwähnst den 1. Kor 11, 27-30 und gehst von Sünde in unser Leben aus, dass dies mit unwürdig gemeint ist. In Betracht nur dieser Stellen, denke ich könnte das zutreffen, aber im Bezug auf den ganzen Kontext der Passage nicht:

27 Wer also unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn.

28 Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken;

29 denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.

30 Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen.

Wenn man nun den Kontext dieser Bibelstelle hernimmt, 1. Kor 11, 17-34:

17  Das aber kann ich, da ich am Anordnen bin, nicht loben, dass eure Zusammenkünfte nicht besser, sondern schlechter werden.

18  Denn erstens höre ich, dass Spaltungen unter euch sind, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, und zum Teil glaube ich es;

19  denn es müssen ja auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten offenbar werden unter euch!

20  Wenn ihr nun am selben Ort zusammenkommt, so geschieht das doch nicht, um das Mahl des Herrn zu essen;

21  denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, so dass der eine hungrig, der andere betrunken ist.

22  Habt ihr denn keine Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch etwa loben? Dafür lobe ich [euch] nicht!

23  Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, nämlich dass der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, Brot nahm,

24  und dankte, es brach und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; dies tut zu meinem Gedächtnis!

25  Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis!

26  Denn sooft ihr dieses Brot esst und diesen Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

27  Wer also unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn.

28  Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken;

29  denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.

30  Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen.

31  Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden;

32  wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden.

33  Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so wartet aufeinander!

34  Wenn aber jemand hungrig ist, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das Übrige will ich anordnen, sobald ich komme.

Einerseits gibt es eine Verbindung im v29 und v34 mit dem Gericht und zusätzlich ist im gesamten Kontext für mich nirgendwo die Rede von verborgenen oder nicht bekannten Sünden. Deswegen steht – m. M. n – „unwürdig“ nicht für die Sünde in mir, sondern der Art und Gesinnung wie ich das Abendmahl einnehme. (V.20-22 und V.33-34).

Am Ende dieses Mahls (von dem die Verse sprechen), das in der Gemeinde „Liebesmahl“ (vgl. Jud 1,12) genannt wurde, vollzog man das Abendmahl (die Einnahme von Brot und Wein symbolisch für den Leib und das Blut des Herrn Jesus). Nach dem Kontext gab es manche, die „hungrig“ (Ausdruck für Mangel) und andere wiederum „betrunken“ (Ausdruck für Überfluss) zu diesem Liebesmahl kamen (V.21). Dies deutet auf soziale Schichten innerhalb der Gemeinde hin, die nicht „behoben“ wurden.

Nach Paulus hielten die Korinther kein Liebesmahl auf der Grundlage der Bedeutung des Abendmahls, sondern verkehrten das Liebesmahl in seiner Bedeutung (V.20:) Wenn ihr nun am selben Ort zusammenkommt, so geschieht das doch nicht, um das Mahl des Herrn zu essen.

Das Liebesmahl dient nicht als Ersatz für ein normales Essen. Das Liebesmahl war mit einer bestimmten Bedeutung verbunden und getrennt von dieser Bedeutung wurde es seiner ursprünglichen Bedeutung beraubt. Paulus ermahnte jene, die hungrig zu diesem Liebesmahl kommen, vorher zu Hause etwas zu essen, damit sie das Liebesmahl, das verbunden mit dem Abendmahl ist, nicht entehrten. Wer die ursprüngliche Bedeutung des Liebesmahls mit dem Abendmahl auf ein gewöhnliches Abendessen reduziert, verachtet dadurch die Gemeinde Gottes (V.22) und isst und trinkt sich dadurch „Gericht“ (V.27-29)

Die Tatsache, dass überhaupt einige „hungrig“ sind und andere „betrunken“, macht deutlich, dass die Reichen sich nicht um die Bedürftigen in der Gemeinde kümmerten. Sofort sollten wir an den Jakobusbrief denken, der diese Problematik umfassend darstellt (Glaube ohne Werke ist toter Glaube).

 Paulus zeigt den Korinther, dass Gott aufgrund dieser „Verachtung der Gemeinde“ einige mit dem Tod und andere mit Krankheit bestraft hat. Es ist also durchaus möglich, dass jene von Gott getöteten und mit Krankheit geschlagenen in Wirklichkeit nur Namenschristen gewesen sind, die durch ihren vollkommen unchristlichen Wandel innerhalb der Gemeinde und vor allem beim Liebes- und Abendmahl Gottes Namen gelästert haben. Und das es viele solcher gottloser Namenschristen in Korinth gab, darüber legte Paulus deutlich Zeugnis ab, wenn er sagt, dass es viele dort gab, die die Auferstehung leugneten (1.Kor 15,12) und keine Erkenntnis Gottes hatten (1.Kor 15,34).

Als Christ das Abendmahl abzulehnen, würde dann ja schließlich bedeuten, dass man als Christ beginnt zu glauben, dass es Momente gibt, in denen wir kein Recht haben uns auf Christus und sein Opfer berufen zu dürfen. Und gerade das Abendmahl drückt dieses „Ich berufe mich allein auf Christus!“ aus

Laut der Schrift sind vom Abendmahl jedoch nur jene ausgeschlossen, die den Herrn und sein Evangelium ablehnen, oder jene, die durch ihren tief in Sünde verstrickten Wandel zeigen, dass sie zwar vorgeben an Christus zu glauben, aber den Herrn praktisch vollkommen mit ihren Werken verleugnen (vgl. Tit 1,16).

Danke fürs Lesen meiner Gedanken. LG Martin

PS: Für die Analyse der Bibelstellen habe ich vom Reformiertblog ein paar Passagen übernommen, weil ich mich nicht so gut ausdrücken hätte können